Präventionskonzept des Ukama-Zentrums der Jesuiten für sozial-ökologische Transformation

(Genehmigte Fassung vom 1.03.2025)

Aus unserer Vision

Wir möchten Menschen für die Anliegen des sozial-ökologischen Wandels begeistern und mit ihnen Mittel und Wege erarbeiten, um sie umzusetzen.

  • Wir stellen in Nürnberg unser Engagement, unser Wissen und unser Zentrum als Plattform für transformative Bildung und Spiritualität sowie für politische Aktionsplanung zur Verfügung.

  • Wir fördern einen Dialog über Werte und deren Umsetzungsmöglichkeiten, bei dem die Perspektiven möglichst aller hier lebender Menschen und Kulturen eingebunden werden und besonders die globale Gerechtigkeit im Blick behalten wird.

  • Wir setzen in Zusammenarbeit mit anderen Transformations-Prozesse in Gang, wohlwissend, dass der Weg zum Ziel Konflikte und Rückschläge beinhalten wird und wir unterwegs immer wieder dazulernen müssen.

Präambel

Im Ukama-Zentrum der Jesuiten für sozial-ökologische Transformation treten wir ein für Respekt und Achtung der Würde und Rechte aller, insbesondere für den Schutz der Schwächsten. Wissend um und lernend aus Versäumnissen der Vergangenheit versprechen wir, einander zu sensibilisieren, jeder Form von Gewalt und Grenzverletzungen vorzubeugen, indem wir versuchen, sie zu erkennen, einander darauf anzusprechen und miteinander darüber zu reflektieren.

Wir leben eine Kultur des Respekts und der Achtsamkeit, der vertrauensvollen Begegnungen und der guten Beziehungen, wobei wir ein ausgewogenes Verhältnis von Nähe und Distanz beachten.

Für unser Zusammenleben und -arbeiten gilt die Rahmenordnung der Deutschen Ordensoberenkonferenz[1], die allen Mitbrüdern der Kommunität bekannt ist. Sie entspricht der Rahmenordnung der Deutschen Bischofskonferenz, welche für das Erzbistum Bamberg gilt. Außerdem verweisen wir auf die geltende Präventionsordnung der Jesuitenkommunität Friedrich Spee (Standort Virchowstraße). Der hier vorliegende Text betrifft spezifisch den Bereich des Werkes, also des Ukama-Zentrums.


[1] „Rahmenordnung – Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und schutz- und hilfsbedürftigen Erwachsenen im Bereich der Deutschen Ordensoberenkonferenz“ in Kraft gesetzt vom P. Jan Roser am 15. September 2020 in München

Formen der Mitarbeit und Teilnahme

Im Ukama-Zentrum wirken unterschiedlichste Menschen an einem gemeinsamen, aber vielfältigen Projekt mit. Die Form der Mitarbeit oder Teilnahme unterscheidet sich dabei ebenfalls. Im Folgenden werden die folgenden vier Gruppen unterschieden:

  • Langzeitbewohner*innen: Dies sind die im Standort Virchowstraße lebenden Jesuiten der Kommunität Friedrich Spee, sowie Geflüchtete im Kirchenasyl (i.d.R. 3 Plätze) und andere Dauergäste, die für länger als ein paar Tage im Haus mitwohnen. Für einige Jesuiten ist das Ukama-Zentrum der primäre Arbeitsort. Die Geflüchteten im Kirchenasyl und die Langzeitgäste können, wenn sie dazu bereit sind, einzelne Aufgaben im Haus übernehmen oder punktuell mithelfen. Eine aktuelle Liste der Bewohner*innen hängt im 1. Stock aus.
  • Angestellte: Mehrere Personen stehen in unterschiedlichen Rollen in einem Angestelltenverhältnis, das als (ausschließlichen oder nicht ausschließlichen) Arbeitsort das Ukama-Zentrum hat. Eine aktuelle Liste der Angestellten hängt im 1. Stock aus.
  • Tagesgäste: Unterschiedliche Menschen nehmen regelmäßig oder punktuell an Veranstaltungen im Ukama-Zentrum teil. Dabei kann es sich um vom Ukama-Zentrum selbst ausgehende Veranstaltungen oder um Initiativen handeln, die unsere Räume eigenverantwortlich nutzen. Ein aktueller Belegungsplan hängt im 1. Stock aus.
  • Übernachtungsgäste: Hierbei handelt es sich um Einzelne oder Gruppen, die (meist im Rahmen eines Kurses) für eine oder mehrere Nächte in den Gästezimmern untergebracht sind. Sie sind im Belegungsplan im 1. Stock vermerkt.

Verhaltenskodex: Welche Verhaltensregeln sind uns wichtig?

1. Langzeitbewohner*innen

Für sie gilt das Präventionskonzept der Kommunität Friedrich Spee, Standort Virchowstraße.

Das Besondere ist, dass der Lebensort der Kommunität eng mit dem Arbeitsort des Ukama-Zentrums verbunden ist. Einige Räume wie der Speiseraum oder der Seminarraum werden gemeinsam genutzt. Es gibt aber auch Rückzugsräume für die Langzeitbewohner*innen: das jeweils eigene Zimmer, die Jesuitenstube für die Jesuiten, der abgetrennte Bereich im Untergeschoss für die Geflüchteten im Kirchenasyl.

2. Angestellte

Alle Angestellten der Kommunität, des JRS oder des Ukama-Zentrums wirken direkt oder indirekt am Projekt des Ukama-Zentrums mit. Ein respektvoller und achtsamer Umgang miteinander sowie ein ausgewogenes Verhältnis von Nähe und Distanz ist uns wichtig. Die Verantwortlichen und die jeweiligen Vorgesetzten reflektieren regelmäßig die Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse und klären sie in „Mitarbeiter*innen-Gesprächen“.

Auf Wunsch haben Angestellte einen Ort im Haus, um ihre Sachen sicher aufzubewahren.

Allen Angestellten wird diese Präventionsordnung vorgelegt und sie verpflichten sich, sie einzuhalten.

3. Tagesgäste

Alle Personen, die einmalig oder regelmäßig an einer Veranstaltung oder einem Treffen im Ukama-Zentrum teilnehmen, haben direkt oder indirekt an dessen Projekt teil. Darum wird diese Präventionsordnung sowohl im Erdgeschoss als auch im Clubraum im Untergeschoss gut sichtbar ausgehängt.

Zusätzlich gilt: Die Verantwortlichen derjenigen Initiativen, die unsere Räume regelmäßig eigenständig nutzen und einen eigenen Hausschlüssel haben, bekommen diese Präventionsordnung vorgelegt und bestätigen deren Kenntnisnahme. Mindestens zweimal im Jahr findet ein Gespräch mit einem Jesuiten des Ukama-Zentrums über die aktuelle Situation der jeweiligen Initiative bzw. ein Besuch eines Jesuiten bei einem der Treffen statt. Dies verstehen wir als gegenseitiges Interesse und als notwendige Transparenz für eine gute Zusammenarbeit. Unabhängig davon können jederzeit und beiderseits praktische, inhaltliche oder atmosphärische Fragen angesprochen werden.

Für Tages- oder Abendveranstaltungen gilt eine große Eigenverantwortung der Gruppen. Dies betrifft nicht nur die Nutzung und das anschließende Aufräumen bzw. Putzen der Versammlungsräume, sondern auch die Nutzung der Toiletten. Dies verdient eine eigene Erwähnung, da die Infrastruktur des Hauses ursprünglich für reine Männergruppen gebaut wurde.

Je nach Bedarf können die beiden Toilettenräume im Erdgeschoss als Unisex-Toiletten verwendet werden (wobei dann die Nutzung der Pissoirs tabu ist) oder nach Geschlechtern getrennt werden. Dies soll in Eigenverantwortung von den Gruppen entschieden und für die Dauer ihres Aufenthaltes entsprechend transparent gemacht werden.

Im Untergeschoss befindet sich eine Unisex-Toilette und im 1. Stock ein Toilettenraum, der bei gemischten Gruppen ebenfalls als Unisex-Toilette genutzt wird.

4. Übernachtungsgäste

Im Ukama-Zentrum übernachten in der Regel nur Erwachsene und jedenfalls keine unbegleiteten Minderjährigen.

Für Gruppen, die in den Gästezimmern des Ukama-Zentrums übernachten, erwarten wir einen hohen Grad an Selbstverantwortung und Selbstorganisation. Das bedeutet:

  • Jede Gruppe hat eine(n) oder mehrere klare Verantwortliche. Mit ihnen werden etwaige Absprachen getroffen. Ihnen wird diese Präventionsordnung vorgelegt und sie bestätigen deren Kenntnisnahme. Sie kümmern sich darum, alle Informationen an ihre Gruppe weiterzugeben.
  • Bezüglich der Zimmerverteilung gibt es keine festen Vorgaben vonseiten des Ukama-Zentrums – also etwa keine feste Verteilung nach Geschlechtern auf die Stockwerke sowie keine prinzipielle Regel, wer mit wem auf welchem Zimmer übernachten darf. Die Gruppe legt dies je nach den äußeren Bedingungen (etwa andere Gruppen oder Einzelgäste, die parallel da sind) in Eigenregie fest, in Absprache mit dem ihrer Gruppe zugeordneten Jesuiten, der auch andere Gäste und Bewohner*innen über Relevantes informiert.
  • Bei Mehrfachbelegung auf den Zimmern (etwa mithilfe von Matratzen oder Isomatten und Schlafsäcken) ist besonders darauf zu achten, dass es allen freistehen muss, das gewählte oder zugewiesene Zimmer zu verlassen oder zu wechseln. Alle müssen wissen, dass sie und wem sie Probleme oder Übergriffe umgehend melden können.
  • Ebenfalls in Eigenregie wird die Nutzung der Toiletten abgesprochen. Dies verdient eine eigene Erwähnung, da die Infrastruktur des Hauses ursprünglich für reine Männergruppen gebaut wurde.
    In der Regel werden die Toilettenräume im zweiten und dritten Stock als Unisex-Toiletten verwendet (wobei dann die Nutzung der Pissoirs tabu ist). Für Menschen, denen eine nach Geschlechtern getrennte Toilette wichtig ist, stehen normalerweise die Toiletten im Erdgeschoss zur Verfügung. Andere Regelungen können in Absprache mit etwaigen anderen Gästen in Eigenverantwortung beschlossen werden und sollen für die Dauer des Aufenthaltes entsprechend transparent gemacht werden.
    Für die Toiletten-Regelungen im Untergeschoss, Erdgeschoss und 1. Stock siehe oben unter „Tagesgäste“.

Einzelübernachtungsgäste im Ukama-Zentrum haben stets einen klaren Ansprechpartner im Haus, der sie auch über andere Gäste oder Gruppen informiert und ihnen etwaige Regelungen im obigen Sinne mitteilt. Auch den Einzelgästen wird transparent gemacht, dass und wo sie Probleme oder Übergriffe umgehend melden können.

5. Präventionsschulungen und fortlaufende Evaluation:

Alle Mitglieder der Jesuiten-Kommunität haben an einer Präventionsschulung und Information teilgenommen bzw. werden dies demnächst tun. In regelmäßigen Abständen werden Fortführungen der Präventionsschulung durchgeführt. Es liegt beim P. Superior, dafür zu sorgen und einen Nachweis darüber an den Präventions-Beauftragen der ECE-Provinz zu senden.

Die Mitarbeitenden haben an einer Präventionsschulung teilgenommen oder werden dies demnächst tun. In regelmäßigen Abständen werden Fortführungen der Präventionsschulung durchgeführt.

Die Ansprechpersonen der Initiativen, die sich regelmäßig am Ukama-Zentrum treffen, sind eingeladen, an einer Präventionsschulung teilzunehmen, sofern sie das noch nicht getan haben. Sie können an einer Schulung durch den Präventionsbeauftragten der ECE-Provinz teilnehmen.

Einmal im Jahr reflektieren die am Ukama-Zentrum tätigen Jesuiten den Stand von dessen Präventionskultur und regen Änderungen oder Ergänzungen dieser Ordnung an. Auch alle Mitarbeitenden werden einmal im Jahr um eine Evaluation der Präventionsordnung und um etwaige Verbesserungsvorschläge gebeten. Sonstige Hinweise und Vorschläge können jederzeit und von jeder Person an die in der Jesuitenkommunität wohnenden Jesuiten gerichtet werden.

6. Handlungsschritte bei Verdacht:

Beobachtungen und Hinweise auf Grenzverletzungen, Übergriffe, auf sexuellen Missbrauch sowie willkürlichen und missbräuchlichen Umgang mit Macht nehmen wir am Ukama-Zentrum sehr ernst. Die dort mitarbeitenden Jesuiten verpflichten sich dazu, sich bei an sie herangetragenen Verdachtsfällen Beratung und Hilfe zu holen.

Für den Umgang mit Verdachtsfällen von sexuellem Missbrauch gelten die vom Provinzial der ECE-Provinz der Jesuiten in Kraft gesetzten Leitlinien. Für die Aufklärung eines Verdachts sind ausschließlich die vom Provinzial benannten Ansprechpersonen zuständig.

7. Ansprechpersonen für Betroffene:

Bei Fragen zum Macht- und Gewaltmissbrauch oder zum sexuellen Missbrauch oder bei Erfahrungen bzw. Beobachtungen in diesem Bereich wird dringend empfohlen, folgende externe bzw. interne Ansprechpersonen zu kontaktieren:

Externe Ansprechpersonen:

Henk Göbel, Traumafachberater – Postfach 1201 – 73642 Welzheim

+49 176 84723038 – mail@henkgoebel.com

Dr. Stefanie Heinrich-Brady, Rechtsanwältin – Egonstraße 51 – 79106 Freiburg im Breisgau

+49 761 59521020 – mail@rainheinrich.de

Interne Ansprechpersonen:

Michael Beschorner SJ – Eisenstuckstr. 27 – 01069 Dresden

+49 351 4717326 m.beschorner@posteo.de

Godehard Brüntrup SJ – Hochschule für Philosophie – Kaulbachstraße 31a – 80539 München

Tel. +49 89 2386 2171 – godehard.bruentrup@hfph.de

Weitere Ansprechpersonen:

Dr. Frank Beyersdörfer, Präventionsbeauftragter der ECE-Jesuitenprovinz

Tel. +49 176 10348915 – safeguarding.ece@jesuiten.org

Zusätzlich können die Ansprechpersonen der Jesuiten-Kommunität Friedrich-Spee, P. Superior Klaus Väthröder SJ (vathroder@ukamazentrum.net) und P. Fabian Moos SJ (moos@ukamazentrum.net), kontaktiert werden. Grundsätzlich kann jedes Mitglied der Jesuitenkommunität angesprochen werden.

Downlad der Präventionsordnung als PDF